Da muss Kirche einfach mitmischen!

In der vergangenen Woche hat mich Dragos Pancescu mit zehn z.T. echt tiefgehenden Fragen zum Thema “Kirche und Web 2.0″ befragt. Dragos betreibt unter www.lukas119.de eine christliche Suchmaschine (zu den Hintergründen hier weitere Infos) und hat schon eine ganze Reihe christlicher Web- und Blogmaster interviewt. Im sechsten Teil seiner Blogmaster-Serie komme ich zu Wort und will Euch hier gerne einige Auszüge präsentieren. Die Lang-Version gibt es hier.

1. Schon der Name Ihres Blogs iChurch klingt sehr hype. Was haben Web 2.0, Beta, 3D-Logos und Feeds mit Gott und Kirche zu tun?

Leider noch zu wenig! Ich befürchte, dass die Kirche leider mal wieder einen wichtigen Trend unserer Zeit verschläft. Noch ist es nicht zu spät, um Menschen mit zeitgemäßen und beliebten Medien für den christlichen Glauben zu begeistern. (…) Da muss Kirche einfach mitmischen!

2. Funkioniert Ihrer Meinung nach die “Online-Ökumene” besser als die “Offline-Ökumene”?

Ehrlich gesagt bin ich kein Freund von christlichem “Einheitsbrei”. Ich finde es vollkommen in Ordnung, dass es zu Glaubensfragen unterschiedliche Standpunkte gibt. Nichtsdestotrotz bietet das Internet sinnvolle Möglichkeiten, den Austausch unter Christen verschiedener Konfessionen aber auch zu Nicht-Christen zu erleichtern. (…)Natürlich werden dadurch auch Barrieren abgebaut.

3. Wie wichtig sind Web-2.0 Unternehmen wie z.B. Flickr, Facebook, Digg, Mr. Wong, YouTube, Twitter und und und…. für Christen?

Wie wichtig sind Zeitungen für Christen? Wie wichtig ist das Radio, ist Fernsehen für Christen? Diese Anwendungen werden von den (vor allem jungen) Menschen heutzutage alltäglich gebraucht. Wenn Kirche für die Gesellschaft relevant sein will (und das muss sie, davon bin ich überzeugt!), dann kommen Gemeinden gar nicht drum herum, diese Funktionen zu nutzen. (…)

4. Gibt es aus Ihrer Sicht Alpha-Blogger in der deutschsprachigen christlichen Blogger Szene? Und was muss so ein Alpha-Blogger können, um dieses “Prädikat” zu erlangen?

Hm. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich bin ehrlich gesagt ziemlich verwundert darüber, dass es vergleichsweise wenige christliche Weblogs und in meinen Augen auch keine wirklichen A-Blogger mit christlichem Prädikat gibt. (…) Die Jungs vom Relevant-Blogs-Netzwerk haben eine tolle Arbeit aufgebaut, weil Sie eine Anlaufstelle für speziell christliche Themenblogs bieten. Die Wahrnehmung von christlichen Blogs in der Blogosphäre insgesamt halte ich allerdings für absolut gering. Schade, oder?

(…)

6. Und jetzt eine provokante Frage: Sind die (christlichen) Männer schuld daran, dass die “Frauenquote” unter christlichen Bloggern sehr niedrig ist?

In der Tat fehlen mir die Bloggerinnen auf der Kanzel 2.0! (…) Ich denke aber nicht, dass wir Männer schuld sind – möchte in dieser Hinsicht auch gleich einen Vorschlag zur “Quotensteigerung” machen: Für das iChurch-Blog suche ich immer nach Gastautoren oder sogar nach Co-Bloggern; vielleicht ja eine gute Einstiegsmöglichkeit für den weiblichen Blog-Nachwuchs?!

7. Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach Podcasts und Videoclips für christliche Blogs?

Filme sagen mehr als 1000 Bilder – der Mensch empfindet und handelt mit allen Sinnen. Deshalb halte ich den Einsatz von multimedialen Angeboten für sehr wichtig. Ich bin überzeugt, dass auch der Glaube vor allem mit den Sinnen erfasst wird. Wir produzieren als Agentur gerade eine Videocast-Serie, die bei sevenload gesendet wird. Dort gibt es auch einen Kanal für Religion. Wieso ist in dieser Rubrik gerade mal ein Videocast vertreten? Es ärgert mich, dass die Kirche diesen Trends immer hinterherläuft. (…)

8. Warum gibt es in der nicht-kirchlich-orientierten Webgemeinschaft so viele offline WebEvents wie Barcamps, Webforen, Treffs und Co. gegenüber der christlichen Webgemeinschaft?

Das sind wohl verschiedene Gründe:

  1. Es gibt vergleichsweise wenige christliche Blogger, vor allem nur wenige, die beruflich ein christliches Blog führen und diesem Anliegen eine Bedeutung geben. Das sieht in der Blogosphäre oder bei “Business-Bloggern” ganz anders aus.
  2. Treffen müssen organisiert werden und das macht Arbeit. Wieder einmal kann ich die Jungs von Relevant-Blogs nur lobend erwähnen, die im Juli das erste christliche Webforum durchgeführt haben. Aber auch hier war die Resonanz nur sehr gering.
  3. Es besteht bei christlichen Medienschaffenden noch eine Menge Aufklärungsbedarf, welchen Nutzen Web 2.0 überhaupt bietet und wieso der Austausch darüber sinnvoll ist.

(…)

10. Welche Pläne haben Sie als Blogmaster und Christ für die Zukunft?

Vernetzung mit der christlichen Blogosphäre weiter ausbauen, vielleicht eine christliche Blog-Parade durchführen und ein Team von Co-Bloggern bei iChurch zusammenbringen, die gemeinsam an der Idee bauen wollen, Kirche ins Web 2.0 zu begleiten. Bin gespannt, welchen Beitrag iChurch dazu leisten kann, dass Kirche sich in den Neuen Medien zeitgemäß, ansprechend und relevant präsentiert.

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9 Reaktionen zu “Da muss Kirche einfach mitmischen!”

[…] Blogosphäre interviewt, einige bei denen ich auch des öfteren vorbeischaue, u.a. Thomas Kilian, Simon de Vries, Peter Unruh, Tobias Künkler und Sandra […]

Sabina (25. November 2007, 22:37) Link zum Kommentar

Schön, dass ich diesen Artikel finde!

zu 1) der Begriff iChurch gefällt mir

zu 3) mit meinem Blog bin ich anscheinend trendy, wenn auch neu

zu 4)ich bin christlicher Privat-Blogger

zu 6) ich bin weiblich

zu 7) ich setzte gerne Videos ein, z. B. Godetube.com

:-) Nur Mut! iChurch finde ich eine gute Idee!

Thomas Kilian (28. November 2007, 21:27) Link zum Kommentar

Hi Sabina, danke für Deinen Kommentar und willkommen in der (christlichen) Blogosphäre. Schön, dass so langsam auch die Damen im Web 2.0 ankommen und kräftig mitmischen! Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Weblog, Thomas#

Gast1 (4. Februar 2008, 23:57) Link zum Kommentar

” Immer mehr Menschen halten Kirche für nicht mehr aktuell. ”
So so. Dann könnt ihr mal versuchen Gott upzudaten, die Lehre Christus euren Bedürfnisse anzupassen. Die Frage ist nur, wo diese Reise endet.
Wenn es die Kirche ist, die von Jesus gegründet wurde, wie kommt ein Mensch dazu sie nicht mehr aktuell zu nennen oder zu halten?
Wenn es aber die Kirche ist, die nicht von Jesus gegründet wurde, wart ihr die ganze Zeit auf dem falschen Weg.

Jokke

Thomas Kilian (5. Februar 2008, 11:01) Link zum Kommentar

Hi Jokke, ich befürchte, Du hast mich und den hier geschilderten Ansatz missverstanden. Ich habe nicht gesagt, dass die Kirche oder Gott nicht aktuell sind, sondern dass viele Menschen, die Kirche für nicht relevant/aktuell HALTEN. Jesus ist den Menschen immer in ihrer Kultur und mit Bildern/Gleichnissen begegnet, die sie in ihrem Lebensraum verstehen konnten. Deshalb finde ich es nötig, dass sich die Kirche zeitgemäßer Mittel bedient, um den Glauben verständlich zu kommunizieren. Beste Grüße, Thomas#

Gast1 (10. Februar 2008, 20:41) Link zum Kommentar

” Deshalb finde ich es nötig, dass sich die Kirche zeitgemäßer Mittel bedient, um den Glauben verständlich zu kommunizieren. ”

Wenn es so ist, schreibe mal einen Brief mit deinen Ideen an XVI.Benedikt, er versteht deutsch und er ist auch zuständig für religiösen Angelegenheiten. Sollte es nicht klappen, wende dich an Gott. Die beste Adresse! :up:

Gast1 (11. Februar 2008, 04:46) Link zum Kommentar

hi Thomas

guck mal bitte hier, es gibt “onlinematerial” in hülle und fülle.

Jokke

Gast1 (11. Februar 2008, 05:01) Link zum Kommentar

sorry, den link habe ich vergessen. :D

http://www.dreifaltigkeit-altdorf.de/glaube02.htm

Kai (27. Mai 2009, 18:04) Link zum Kommentar

Hey!

Finde die Perspektive klasse und zu befürworten. Prinzipiell gefällt mir auch der Begriff “iChurch”, allerdings ist er doch recht nahe an den Apfelkonzern angelehnt.

LG, Kai

iChurch

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Immer mehr Menschen halten Kirche für nicht mehr aktuell. Ich bin Thomas Kilian, Leiter der Werbeagentur Thoxan in Ostwestfalen. Durch mein kirchliches Engagement weiß ich, wie wichtig es für eine Gemeinde ist, mit der Zeit zu gehen.

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Deshalb habe ich das iChurch-Projekt gestartet. Ich möchte Kirchen und Organisationen dabei helfen, die Möglichkeiten der Neuen Medien erfolgreich zu nutzen.

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